Auf einen Blick

Am 10. Januar 1919 rief ein schmaler Landstreifen zwischen den alliierten Besatzungszonen seine Eigenständigkeit aus. Elf Gemeinden auf 10.617 Hektar mit rund 8.200 Einwohnern gehörten dazu, darunter Lorch und Lorchhausen. Die Selbstverwaltung endete am 1. Juli 1920.

Der Freistaat Flaschenhals ist keine Anekdote, sondern eine Folge der Geometrie. Nach dem Ersten Weltkrieg besetzten die Alliierten das Rheinland und zogen dabei Kreise: 30 Kilometer Radius um Koblenz für die amerikanische Zone, 30 Kilometer um Mainz für die französische.

Zwei Kreise, die sich nicht berühren, lassen dazwischen eine Lücke. Genau in dieser Lücke lagen elf Gemeinden — schmal, langgestreckt, in der Form an einen Flaschenhals erinnernd. Am 10. Januar 1919 erklärten sie sich für eigenständig.

Wie ein Streifen übrig blieb

Die Besatzungszonen wurden nicht entlang von Landschaften oder Verwaltungsgrenzen gezogen, sondern als Radien um Brückenköpfe. Wo sich diese Radien nicht schnitten, entstand unbesetztes Gebiet — allerdings ohne Verbindung zum übrigen unbesetzten Deutschland. Der Streifen war rundherum von Besatzungszonen und dem Rhein umgeben.

Gut zu wissen: Das Gebiet umfasste 10.617 Hektar. 1919 lebten dort rund 8.200 Menschen.

Die elf Gemeinden

Drei Orte lagen am Rhein, acht im Hinterland:

LageGemeinden
Am RheinLorch, Lorchhausen, Kaub
Im HinterlandSauerthal, Ransel, Wollmerschied, Welterod, Zorn, Strüth, Egenroth, Laufenselden

Quelle: Wikipedia, Freistaat Flaschenhals

Lorch und Lorchhausen sind heute Stadtteile derselben Stadt — damals waren es zwei der elf beteiligten Gemeinden. Die übrigen liegen überwiegend im Wispertaunus, also im Hinterland, das der Wisper folgt.

Was Abgeschnittensein praktisch bedeutete

Ein Gebiet ohne Landverbindung zum Rest des Landes muss sich selbst organisieren. Post, Versorgung, Verwaltung — all das lief nicht mehr über die üblichen Wege. Die Aufgabe fiel dem Lorcher Bürgermeister Edmund Pnischeck zu, der dafür weitreichende Vollmachten vom Limburger Landrat erhielt.

Zur Versorgung entstanden eigene Wege, teils außerhalb der Legalität. Wie das funktionierte und womit dort bezahlt wurde, steht im Artikel über Notgeld und Schmuggel.

Die Daten

DatumEreignis
10. Januar 1919Ausrufung der Eigenständigkeit
Januar 1919 bis Sommer 1920Zeit der Isolation
1. Juli 1920Ende der Selbstverwaltung, reguläre Verwaltung kehrt zurück
Februar 1923 bis November 1924Französische Besetzung
30. Juni 1930Volle deutsche Souveränität wiederhergestellt

Quelle: Wikipedia, Freistaat Flaschenhals

Die Selbstverwaltung dauerte also rund eineinhalb Jahre. Die geografische Sonderlage bestand deutlich länger — bis 1930 blieb die Region von den Folgen der Besatzungsordnung betroffen.

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Häufige Fragen

Was war der Freistaat Flaschenhals?
Ein schmaler Landstreifen zwischen den alliierten Besatzungszonen nach dem Ersten Weltkrieg, der am 10. Januar 1919 seine Eigenständigkeit ausrief. Elf Gemeinden gehörten dazu, darunter Lorch und Lorchhausen.
Warum entstand er überhaupt?
Die Besatzungszonen wurden als 30-Kilometer-Radien um Koblenz und Mainz gezogen. Zwischen beiden Kreisen blieb ein Streifen unbesetzt, der aber keine Landverbindung zum übrigen unbesetzten Deutschland hatte.
Wie groß war das Gebiet?
10.617 Hektar mit rund 8.200 Einwohnern im Jahr 1919.
Wie lange bestand er?
Die Selbstverwaltung endete am 1. Juli 1920. Die geografische Sondersituation wirkte bis 1930 nach, als die volle deutsche Souveränität wiederhergestellt wurde.
Welche Rolle spielte Lorch?
Lorch war einer der drei Rheinorte des Gebiets, und der Lorcher Bürgermeister Edmund Pnischeck übernahm faktisch die Verwaltung.