Auf einen Blick
Lorch erscheint 1085 zum ersten Mal in einer Urkunde: Erzbischof Wezilo beurkundet die Schenkung von Gütern in „Lorecha“ an das Mainzer Domkapitel. Die Pfarrei wird erst 1254 eigens genannt. Stadtrecht erhält der Ort viel später, 1885.
Orte haben selten ein Geburtsdatum. Was sie haben, ist ein erstes Blatt Papier, auf dem ihr Name steht — und bei Lorch am Rhein ist das eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1085.
Der Name lautet dort nicht Lorch, sondern Lorecha. Ausgestellt hat die Urkunde Erzbischof Wezilo, und es geht darin um Güter, die an das Mainzer Domkapitel gehen. Mehr gibt der Beleg nicht her — und mehr sollte man ihm auch nicht entnehmen.
Was in der Urkunde steht
Der Vorgang ist für das 11. Jahrhundert gewöhnlich: Ein Erzbischof beurkundet, dass Besitz an eine geistliche Einrichtung übergeht. Interessant ist daran nicht der Vorgang, sondern was er nebenbei festhält. Damit Güter verschenkt werden können, müssen sie jemandem gehören, bewirtschaftet werden und benannt sein. Der Ort war 1085 also bereits da — die Urkunde ist sein ältester schriftlicher Nachweis, nicht sein Anfang.
Die Verbindung nach Mainz
Das Mainzer Domkapitel als Empfänger ist kein Zufall. Der Rheingau gehörte über Jahrhunderte zum Einflussbereich des Erzstifts Mainz, und geistlicher Grundbesitz prägte die Region — bis in den Weinbau hinein, der hier ebenfalls kirchliche Wurzeln hat.
Für Lorch heißt das: Der Ort taucht in der Überlieferung auf, weil er Teil eines Besitzgeflechts war, das jemand verwaltete und dokumentierte. Wo nichts verwaltet wurde, ist auch nichts überliefert.
Die frühen Daten im Überblick
Vier urkundlich belegte Daten aus der frühen Stadtgeschichte:
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1085 | Erste Erwähnung als „Lorecha“ in der Schenkungsurkunde Erzbischof Wezilos |
| 1254 | Die Pfarrei wird erstmals urkundlich genannt |
| 1270/90 | Bau von Chor und zwei Jochen der Kirche St. Martin |
| 1885 | Lorch wird zur Stadt erhoben |
Quelle: Wikipedia, Lorch (Rheingau) und St. Martin (Lorch)
Was die 169 Jahre bis 1254 bedeuten
Zwischen der Ersterwähnung des Ortes und der ersten Nennung der Pfarrei liegen 169 Jahre. Das ist kein Hinweis darauf, dass es dazwischen keine Kirche gab — es heißt nur, dass keine Urkunde überliefert ist, die eine nennt. Mittelalterliche Überlieferung ist lückenhaft, und die Lücken sagen mehr über Archive aus als über das Leben der Menschen.
Wer die Bauphasen der Stiftskirche St. Martin daneben legt, sieht das deutlich: Der Chor entsteht 1270/90, also kurz nach der ersten Nennung der Pfarrei. Da war die Gemeinde offensichtlich wohlhabend genug, um Dombauleute aus Köln zu beschäftigen.
Weiterlesen
Diese Seiten gehören thematisch dazu und beruhen auf denselben nachprüfbaren Quellen. Wo eine Angabe dort fehlt, fehlt sie, weil sie sich nicht belegen ließ:
- Erst 1885 eine Stadt: Lorchs später Weg zum Stadtrecht
- Kölner und Trierer Dombauleute: Wie St. Martin entstand
- Vier Zerstörungen: Lorch in den Kriegen 1460, 1631, 1794 und 1945
- Lorch in Zahlen: 3.802 Einwohner auf 54,43 Quadratkilometern
Quellen
Die Angaben auf dieser Seite stammen aus den folgenden Quellen. Zahlen, die dort nicht belegt sind, stehen hier bewusst nicht.
Häufige Fragen
- Wann wurde Lorch am Rhein erstmals urkundlich erwähnt?
- Im Jahr 1085. Erzbischof Wezilo beurkundet darin die Schenkung von Gütern in „Lorecha“ an das Mainzer Domkapitel.
- Heißt das, Lorch wurde 1085 gegründet?
- Nein. Die Urkunde ist der älteste erhaltene schriftliche Beleg für den Ort. Wann die Besiedlung begann, geht daraus nicht hervor.
- Wie lautet der Name in der Urkunde?
- Lorecha.
- Wann wird die Pfarrei zum ersten Mal genannt?
- 1254, also 169 Jahre nach der Ersterwähnung des Ortes.
- Seit wann ist Lorch eine Stadt?
- Seit 1885. Befestigt war der Ort allerdings schon im 13. Jahrhundert.