Auf einen Blick
Der Strunk ist ein Rundturm aus Schieferbruch- und Sandstein an der Wispermündung. Er sicherte Ufer und Wisperbrücke, diente der Zollerhebung und als Gefängnis. Seine Bauzeit ist umstritten: Die Angaben reichen von um 1448 über 1527 bis 1567.
Über die Bauzeit des Strunk streiten die Quellen seit Langem — und genau das macht ihn interessant. Ein Turm, dessen Alter niemand sicher kennt, obwohl er mitten im Ort steht.
Drei Datierungen, keine Einigkeit
| Angabe | Quelle |
|---|---|
| um 1448 | hessische Denkmalliste |
| ab 1447/1448 nach dem verbauten Holz | Stadt Lorch am Rhein |
| 1527 | Wikipedia, Lorch (Rheingau) |
| 1567 beziehungsweise „um 1567“ | Stadt Lorch am Rhein, KuLaDig |
Die Spanne beträgt rund 120 Jahre.
Das stärkste Argument liefert das Holz: Die Stadt Lorch verweist auf verbaute Hölzer, die eine Bauzeit ab 1447/1448 zulassen. Dendrochronologie datiert das Fälljahr eines Baums — sie sagt, wann das Holz geschlagen wurde, nicht zwingend, wann es verbaut wurde.
Bauform und Aufgabe
| Merkmal | Ausführung |
|---|---|
| Grundform | Rundturm |
| Material | Schieferbruchstein und Sandstein |
| Besonderheit | vorspringender Treppenturm, vier eingetiefte Bogennischen |
| Lage | an der Mündung der Wisper in den Rhein |
Quelle: Stadt Lorch am Rhein
Der Turm sicherte gleich drei Dinge: die Wispermündung, das Rheinufer und die 1556 errichtete Wisperbrücke. Dazu kamen zwei Funktionen, die nichts mit Verteidigung zu tun haben — die Erhebung von Zoll und die Verwahrung von Gefangenen.
Warum ausgerechnet er stehen blieb
Von der Lorcher Stadtbefestigung ist fast nichts erhalten. Ab 1521 fehlten die Mittel zum Unterhalt, bis 1816 war der größte Teil abgebrochen.
Stehen blieben ausgerechnet die beiden Türme, die als Gefängnis weiter gebraucht wurden: der Strunk und der Hexenturm. Nützlichkeit hat hier mehr bewahrt als Denkmalbewusstsein — das gab es damals noch nicht.
Restaurierung und Nutzung
2005/2006 wurde der Turm vollständig restauriert. Im ersten Geschoss richtete die Stadt ein Trauzimmer ein — eine Nutzung, die den Bogen von der Zollstelle über das Gefängnis zur Eheschließung schlägt.
Weiterlesen
Diese Seiten gehören thematisch dazu und beruhen auf denselben nachprüfbaren Quellen. Wo eine Angabe dort fehlt, fehlt sie, weil sie sich nicht belegen ließ:
- Die Lorcher Stadtbefestigung und ihre Tore
- Ruine Nollig: Wachturm oder Gegenburg?
- Erst 1885 eine Stadt: Lorchs später Weg zum Stadtrecht
- Die Wisper: ein kleiner Fluss mit 1,271 m³/s
Quellen
Die Angaben auf dieser Seite stammen aus den folgenden Quellen. Zahlen, die dort nicht belegt sind, stehen hier bewusst nicht.
Häufige Fragen
- Wann wurde der Turm Strunk gebaut?
- Das ist umstritten. Die Denkmalliste nennt „um 1448“, die Stadt Lorch verweist auf verbautes Holz ab 1447/1448 und nennt zugleich 1567, Wikipedia nennt 1527.
- Wozu diente der Turm?
- Er sicherte die Wispermündung, das Rheinufer und die 1556 errichtete Wisperbrücke. Außerdem diente er der Zollerhebung und als Gefängnis.
- Wie sieht der Turm aus?
- Es ist ein Rundturm aus Schieferbruch- und Sandstein mit vorspringendem Treppenturm und vier eingetieften Bogennischen.
- Wurde er restauriert?
- Ja, 2005/2006 vollständig. Im ersten Geschoss befindet sich ein Trauzimmer.
- Warum ist er erhalten, die Stadtmauer aber nicht?
- Strunk und Hexenturm wurden als Gefängnis weiter genutzt. Der übrige Mauerring wurde ab 1521 nicht mehr unterhalten und bis 1816 größtenteils abgebrochen.