Auf einen Blick
Die Heilig-Kreuz-Kapelle im unteren Wispertal wurde 1486 erstmals urkundlich erwähnt. Der heutige Bau wurde am 26. Juli 1677 geweiht, 1738 nach Osten auf annähernd doppelte Größe erweitert und 1826 grundlegend renoviert. Sie ist die letzte erhaltene von neun mittelalterlichen Kapellen auf Lorcher Gemarkung.
Neun mittelalterliche Kapellen standen einmal auf Lorcher Gemarkung. Erhalten ist eine — die Heilig-Kreuz-Kapelle im unteren Wispertal.
Dieser eine Satz ist der Grund, warum sie mehr verdient als eine Randnotiz. Was von einer religiösen Landschaft übrig bleibt, wenn acht von neun Bauten verschwinden, lässt sich hier an einem einzigen Gebäude ablesen.
Ein Gefecht und ein Kreuz
Die Vorgeschichte führt ins Jahr 1460. An der Stelle der späteren Kapelle kam es zu einem Gefecht zwischen Lorchern und Truppen der Sauerburg. Zum Gedenken wurde ein großes Kreuz errichtet und ein ewiges Licht gestiftet.
Der Überlieferung nach geht die Kapelle auf ein Gelübde eines Ritters der Familie Boos von Waldeck zurück. Urkundlich fassbar wird sie 1486.
Die Baukette
Fünf Jahrhunderte in sechs Daten:
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1486 | erste urkundliche Erwähnung |
| 26. Juli 1677 | Weihe des heutigen Baus durch Weihbischof Adolph Gottfried Volusius |
| 1738 | Erweiterung nach Osten auf annähernd doppelte Größe |
| 1784 | Anbau einer Einsiedelei durch den Laienbruder Peter Weibler |
| 1826 | große Renovierung, seither im Wesentlichen heutige Gestalt |
| 1961 | Restaurierung, neue gemauerte Vorhalle |
Quelle: Wikipedia, Heilig-Kreuz-Kapelle (Lorch). Eine Sekundärdarstellung nennt für die Erweiterung abweichend 1788; belegt ist 1738.
Der Sprung von 1677 auf 1738 ist der interessanteste: Binnen gut sechzig Jahren wurde der Bau annähernd verdoppelt. Wer eine Kapelle vergrößert, rechnet mit mehr Menschen — die Anlage war offensichtlich angenommen.
Was darin und darum steht
- Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss
- Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert, darunter ein Holzaltar mit lebensgroßem Kruzifix
- Außenaltar von 1900
- Kreuzweg, 1897 gestiftet und 1983 von Anton Haust neu gestaltet
Der Einsiedelei-Anbau von 1784 verweist auf eine Nutzung, die heute fremd wirkt: Ein Laienbruder lebte an der Kapelle und versah sie.
Die Kreuztagswallfahrt
Jährlich am ersten Sonntag im Mai führt eine Wallfahrt von der Stiftskirche St. Martin zur Kapelle. Die Verbindung zwischen Pfarrkirche im Ort und Kapelle im Tal ist damit bis heute in Gebrauch.
Acht verschwundene Kapellen
Dass die Heilig-Kreuz-Kapelle die letzte erhaltene von neun ist, sagt mehr über die Lorcher Geschichte als jede Einzelheit ihres Baus. Eine Gemarkung mit neun Kapellen war dicht mit kirchlichen Orten besetzt — Wegkapellen, Stiftungen, Andachtsstätten.
Welche acht das waren und wann sie verschwanden, geht aus unseren Quellen nicht hervor. Die Zerstörungen der Jahre 1460, 1631, 1794 und 1945 liegen als Erklärung nahe, belegt ist der Zusammenhang nicht.
Weiterlesen
Diese Seiten gehören thematisch dazu und beruhen auf denselben nachprüfbaren Quellen. Wo eine Angabe dort fehlt, fehlt sie, weil sie sich nicht belegen ließ:
- Kölner und Trierer Dombauleute: Wie St. Martin entstand
- Die Lorcher Stadtbefestigung und ihre Tore
- Vier Zerstörungen: Lorch in den Kriegen 1460, 1631, 1794 und 1945
- Die Wisper: ein kleiner Fluss mit 1,271 m³/s
Quellen
Die Angaben auf dieser Seite stammen aus den folgenden Quellen. Zahlen, die dort nicht belegt sind, stehen hier bewusst nicht.
Häufige Fragen
- Wann wurde die Heilig-Kreuz-Kapelle erstmals erwähnt?
- 1486.
- Wann wurde der heutige Bau geweiht?
- Am 26. Juli 1677 durch den Mainzer Weihbischof Adolph Gottfried Volusius.
- Wurde die Kapelle später verändert?
- Ja. 1738 wurde sie nach Osten auf annähernd doppelte Größe erweitert, 1784 kam eine Einsiedelei hinzu, 1826 folgte eine große Renovierung und 1961 eine Restaurierung mit neuer Vorhalle.
- Was ist das Besondere an der Kapelle?
- Sie ist die letzte erhaltene von neun mittelalterlichen Kapellen auf Lorcher Gemarkung.
- Gibt es eine Wallfahrt dorthin?
- Ja, jährlich am ersten Sonntag im Mai, mit Start an der Stiftskirche St. Martin.