Auf einen Blick
Lorch war seit dem 14. Jahrhundert ummauert; ein „castellum in loriche“ ist schon für das frühe 12. Jahrhundert belegt. Acht Tore und Pforten sind namentlich überliefert. Ab 1521 fehlten die Mittel zum Unterhalt, bis 1816 war der größte Teil abgebrochen. Erhalten sind zwei Türme.
Eine Stadtmauer verschwindet selten auf einmal. Sie wird nicht mehr repariert, dann abgetragen, dann überbaut — und irgendwann erinnert nur noch ein Straßenname daran.
In Lorch lässt sich dieser Vorgang ungewöhnlich genau datieren.
Vom castellum zur Ummauerung
Schon für das frühe 12. Jahrhundert ist ein castellum in loriche belegt. Die eigentliche Ummauerung der Stadt stammt aus dem 14. Jahrhundert — also aus der Zeit, in der auch der Chor von St. Martin bereits stand und die Nollig über dem Ort errichtet wurde.
Die überlieferten Tore und Pforten
- Obertor
- Kellerpforte
- Plätzertor
- Borgetor, später Kuhtor
- Schauerpforte
- Hexenturm
- Weißelberger Tor
- Niedertor am östlichen Ende
Diese Namen stammen aus zwei verschiedenen Quellen und ergeben zusammen die überlieferte Abfolge. Eine belegte Gesamtzahl der ursprünglichen Türme und Tore gibt es nicht — wir nennen deshalb keine.
Zwei vorgeschobene Wachttürme
| Turm | Errichtet | Zustand |
|---|---|---|
| Nollig | um 1300, zunächst in Holz | als Ruine erhalten, Privatbesitz |
| Fürsteneck | 1348 | keine sichtbaren Reste |
Quelle: KuLaDig, Kernstadt Lorch
Die Nollig war demnach kein isolierter Bau, sondern Teil des Befestigungssystems — ein vorgeschobener Wachtturm, zunächst aus Holz und später in Stein verstärkt. Dass ein zweiter Turm gleicher Bauart und Funktion spurlos verschwand, zeigt, wie viel von diesem System fehlt.
1521 bis 1816: das Ende
Ab 1521 fehlten die Mittel, die Befestigung zu unterhalten. Bis 1816 war der größte Teil abgebrochen. Drei Jahrhunderte Verfall, an dessen Ende zwei Türme übrig blieben — der Strunk und der Hexenturm.
Beide überlebten aus demselben Grund: Sie wurden als Gefängnis weiter gebraucht. Der Name des Hexenturms geht auf das Jahr 1520 zurück, als ein Presberger dort seine Schwiegermutter als vermeintliche Hexe einsperren ließ.
Weiterlesen
Diese Seiten gehören thematisch dazu und beruhen auf denselben nachprüfbaren Quellen. Wo eine Angabe dort fehlt, fehlt sie, weil sie sich nicht belegen ließ:
- Der Turm Strunk an der Wispermündung
- Ruine Nollig: Wachturm oder Gegenburg?
- Erst 1885 eine Stadt: Lorchs später Weg zum Stadtrecht
- Vier Zerstörungen: Lorch in den Kriegen 1460, 1631, 1794 und 1945
Quellen
Die Angaben auf dieser Seite stammen aus den folgenden Quellen. Zahlen, die dort nicht belegt sind, stehen hier bewusst nicht.
Häufige Fragen
- Seit wann war Lorch befestigt?
- Ein „castellum in loriche“ ist für das frühe 12. Jahrhundert belegt, die Ummauerung der Stadt stammt aus dem 14. Jahrhundert.
- Welche Tore hatte die Stadt?
- Überliefert sind Obertor, Kellerpforte, Plätzertor, Borgetor (später Kuhtor), Schauerpforte, Hexenturm, Weißelberger Tor und das Niedertor. Eine belegte Gesamtzahl der Tore und Türme gibt es nicht.
- Was ist von der Befestigung erhalten?
- Zwei Türme: der Strunk und der Hexenturm. Beide wurden als Gefängnis weiter genutzt.
- Wann wurde die Mauer abgebrochen?
- Ab 1521 wurde sie nicht mehr unterhalten, bis 1816 war der größte Teil abgetragen.
- Woher hat der Hexenturm seinen Namen?
- Von 1520, als ein Presberger dort seine Schwiegermutter als vermeintliche Hexe einsperren ließ.